Die EU-Leckagemeldefrist: Was Wasserversorgungsunternehmen jetzt tun müssen
Für den größten Teil der Geschichte der europäischen Wasserversorgung war nicht eingenommenes Wasser (NRW) ein Managementproblem, kein rechtliches. Die überarbeitete EU-Trinkwasserrichtlinie hat das geändert. Gemäß Anhang VI der Richtlinie 2020/2184 sind große Wasserversorgungsunternehmen — solche, die mehr als 1.000 m³ pro Tag oder mehr als 50.000 Personen versorgen — jetzt verpflichtet, Wasserverluste nach einer anerkannten Methodik zu melden, nationale Leckagebewertungen bis Januar 2026 einzureichen und ab Januar 2028 maximale Leckagewerte einzuhalten, die die Europäische Kommission für jeden Mitgliedstaat festlegen wird.
Die Lücke zwischen den aktuellen NRW-Werten und diesen Schwellenwerten ist groß. Der EU-weite durchschnittliche NRW-Wert liegt bei etwa 25 %, wobei die Länderdurchschnitte von unter 10 % in den Niederlanden und Deutschland bis über 50 % in Teilen Süd- und Osteuropas reichen.
Was die Richtlinie tatsächlich verlangt
Die Meldepflicht ist der erste Schritt. Versorgungsunternehmen müssen Wasserverluste entweder mit dem Infrastructure Leakage Index (ILI) oder einer gleichwertigen nationalen Methode bewerten. Die Anforderung, eine standardisierte Kennzahl zu verwenden, schafft eine Vergleichsgrundlage und ab 2028 eine Grundlage für die Durchsetzung.
Die bis Januar 2026 fälligen nationalen Bewertungen sollen ermitteln, welche Versorgungsunternehmen und Netzzonen über akzeptablen Leckagewerten liegen. Versorgungsunternehmen mit dokumentiertem Druckmanagement und Bezirksmetering-Infrastruktur sind bei dieser Bewertung besser aufgestellt.
Druckmanagement: der primäre technische Hebel
Von den vier Komponenten des Standard-Leckagekontrollrahmens — Druckmanagement, aktive Leckagekontrolle, Reparaturgeschwindigkeit und -qualität sowie Rohrleitungserneuerung — liefert das Druckmanagement den schnellsten Return on Investment für Netze über dem technisch erforderlichen Mindestdruck.
Leckage durch Rohrdefekte und Verbindungen nimmt mit dem Druck zu. Für Hintergrundleckage folgt der Zusammenhang einer Potenzfunktion mit einem Exponenten von typischerweise 0,5 bis 1,5. Eine Reduzierung des durchschnittlichen Zonendrucks um 10 % verringert die Hintergrundleckage je nach Netz um etwa 5 bis 15 %.
Aktive oder gemeldete Lecks reagieren anders: Eine Druckreduzierung verringert die Durchflussrate durch einen offenen Defekt, dichtet ihn aber nicht ab. Der Vorteil ist, dass der reduzierte Durchfluss Zeit zwischen Rohrbruch und Reparatur gewinnt.
Bezirksmesspunkte und Druckminderventile
Die Standardinfrastruktur für das Druckmanagement ist der Bezirksmesspunkt (DMA): eine hydraulisch isolierte Zone mit gemessenen Einlässen, die jeweils mit einem Druckminderventil (DMV) ausgestattet sind. Das DMV hält den Zoneneingangsdruck auf dem erforderlichen Mindestniveau.
Einfache DMVs mit festem Auslass sind effektiv, legen aber den Druck für den ungünstigsten Fall fest. Nachts, wenn die Hintergrundleckage am höchsten ist, arbeitet der Rest der Zone unter höherem als notwendigem Druck.
Zeitgesteuerte DMVs senken den Auslasdruck während programmierter Niedriglastzeiten, typischerweise um 0,5 bis 1,5 bar. Durchflussgesteuerte Ventile passen den Auslasdruck in Echtzeit an den gemessenen Zonenzulaufdurchfluss an.
Was Versorgungsunternehmen jetzt tun sollten
Für Versorgungsunternehmen, die noch keine ILI-Bewertung abgeschlossen haben, ist die erste Priorität, eine Messgrundlage für jede Hauptzone zu schaffen. DMAs ohne Einlassmesser oder mit nicht kürzlich kalibrierten Messgeräten müssen saniert werden.
Ein Netz mit ILI 6 bis 8 kann typischerweise ILI 3 bis 4 allein durch Druckmanagement-Infrastruktur erreichen, bevor ein Rohrerneuerungsprogramm durchgeführt wird. Diese Reduzierung reicht oft aus, um ein Versorgungsunternehmen in den Bereich der für 2028 wahrscheinlich festzulegenden Schwellenwerte zu bringen.
Versorgungsunternehmen mit bereits eingesetzten DMVs mit festem Auslass sollten prüfen, ob eine Aufrüstung auf modulierende Steuerung in verlustreichen Zonen die Compliance zu niedrigeren Kapitalkosten als eine Netzrehabilitierung beschleunigen würde.
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